Von Fomo zu Jomo

Seit einiger Zeit geht ein Gespenst um: Fomo, die Abkürzung für fear of missing out. Also die Angst, etwas zu verpassen. Diese Angst ist verständlich, denn natürlich gibt es ständig und in jedem Moment etwas zu verpassen. Die Frage aber, die man sich dabei stellen sollte, ist, ob das man da eventuell gerade verpasst tatsächlich so viel besser, wichtiger, bedeutsamer ist, als das, was man gerade erlebt. Und ganz besonders dann sollte man sich diese Frage stellen, wenn augenscheinlich gerade gar nichts erlebt. Im Zweifel ist nämlich genau das viel mehr und erfüllender als alles andere.

Ich jedenfalls habe beschlossen mich von FOMO zu trennen. Denn am Ende zählt ja nicht, was andere, was soziale Medien, meine Freunde und Bekannten gerade für unabdingbar zu erleben halten, sondern, dass was mich erfüllt. Und das kann ein wunderbar langweiliger Sonntag sein, an dem einfach mal gar nichts passiert. An dem ich nicht zum Kaffee eingeladen bin, an dem ich nicht ins Kino oder ins Museum gehe, an dem ich keinen Sport mache. Stattdessen verwandle ich FOMO in JOMO – joy of missing out. Das ist schon nach kurzer Zeit viel leichter als gedacht und – das ist das Wichtigste – wesentlich befriedigender. Weil es mit Selbstbestimmung zu tun hat. Ich weiß jetzt: Ich bin was ich bin. Und nicht das, was andere wollen, was ich tun soll. Einen schönen ersten Advent!

PS:  Mehr zum Thema gibt es auch in meiner Kolumne in der aktuellen FLOW 😉

 

 

Wieviel Achtsamkeit steckt in Hygge?

Alle reden über Hygge, machen es sich hyggelig oder fühlen sich hyggelig (siehe auch den Blogeintrag zu „Hygge“). Es gibt Hotels, Klamotten, Lebensmittel, die als hyggelig beworben werden. Aber kann man sich das Gefühl von „Hygge“ tatsächlich einfach so kaufen? Oder entsteht es nicht vielmehr aus einem anderen Blick auf den eigenen Alltag, auf die kleinen Dinge und Momente, die unser Leben eben zu unserem Leben machen?

Ich habe mich etwa heute morgen ziemlich hyggelig gefühlt. Nach Tagen voller Regen und grauen Wolken, kam die Sonne heraus und plötzlich leuchtete meine Straße wieder. Ich stieg auf mein Fahrrad, sah in die Baumkronen mit ihren gelben, braunen und roten Blättern und war – glücklich. Und dankbar. Für diesen ganz einfachen kleinen Moment. Hygge hat daher meiner Meinung ganz viel mit Achtsamkeit zu tun. Es geht um das Sich-Bewusstmachen- und des-Sich-Bewusstwerdens des Augenblicks. Den zu sehen und für sich zu erleben, darauf kommt es an und mit ihm stellt sich dann glücklicherweise häufig auch ein Gefühl der Dankbarheit ein und wir fühlen uns mit uns selbst, der Natur, aber auch anderen verbunden. Eben hyggelig.

Und vielleicht hilft es ja gerade denjenigen, die mit Achtsamkeit bisher nicht so viel anfangen konnten, dass Hygge jetzt so ein großer Trend ist: das Kind trägt einen anderen Namen, ist nicht so mit Bedeutung aufgeladen und kann so helfen, dass immer mehr Menschen sich bewusster dem Leben zuwenden. Schöner wird es so damit auf jeden Fall.

 

 

Was ist eigentlich dieses Hygge?

Wir müssen über Hygge reden. Tun ja alle anderen schon. Denn Hygge ist das Wort dieses Herbstes. Der dänische Glücksforscher Meik Wiking hat mit seinem Buch „Hygge“ einen Bestseller über das Phänomen geschrieben, das das dänische Lebenskonzept eines gelassenen, zufriedenen und im besten Sinne achtsamen Lebens beschreibt und erklärt. Setzt man geläufig Gemütlichkeit mit dem  dänischen Wort Hygge gleich, was man zum Beispiel auch daran sieht, dass auf Instagram werden unter #hygge Kerzen,Kaffeetassen, Wollsocken, Kissen, gemütliche Sitzecken, Betten und natürlich Zimtschnecken zum Thema gepostet werden, ist nämlich viel mehr als das. Es ist eine andere Art das Leben und seine kleinen Schätze wahrzunehmen, die es jeden Tag für einen bereit hält. Der erste Kaffee am Morgen, eine Kastanie, gefunden auf dem Weg ins Büro, das Lächeln eines Fremden…  Alles, was uns das Leben lebens- und liebenswert erscheinen lässt. Und weil man erst merkt, wie viel Hygge eigentlich im eigenen Leben steckt, wenn man sich das mal bewusst macht, sollte man auf diese kleinen Momente achten. Übrigens gibt es jetzt auch ein tolles Magazin dazu, für das ich tollerweise arbeiten darf: http://hygge-magazin.de

 

Wieviel Disziplin verträgt
das Leben?

Es gibt einen Song einer Band, die Kinderlieder macht, in dem heißt es in einer Textzeile sinngemäß: „Ich muss immer nur müssen“. Ist doch irgendwie  ziemlich blöd, dass schon Kinder den Zustand des Hamsterrads bereits kennen, oder? Und wenn ich selbst abends erschöpft auf dem Sofa sitze, wenn es 21:47 Uhr ist und die letzte Aufgabe des Tages gerade erledigt und ich eigentlich zu nichts mehr in der Lage bin, außer ins Bett zu fallen, möchte ich einfach manches Mal aus meinem Leben verschwinden. Obwohl ich mein Leben wirklich sehr sehr gern mag. Aber was ich nicht mag, ist das es, damit alles darin einigermaßen funktioniert (Job, Kinder, Haushalt, soziale Kontakte) alles so derart durchgetaktet sein muss. Andererseits zeigt sich immer wieder: ganz ohne Disziplin geht es eben auch nicht. Würde ich nicht morgens um sechs Uhr zum Laufen aufbrechen, würde ich gar keinen Sport mehr treiben. Würde ich nicht die Kinder zum Üben ihrer Instrumente antreiben, würden sie immer noch kein einziges Lied spielen können. Würde ich nicht… Diese Disziplin macht keinen Spaß, aber sie erleichtert doch einiges. Ich frage mich nur, ob man sich so sehr an sie gewöhnen kann, dass ein Leben ohne sie irgendwann gar nicht mehr möglich ist. Und was machst das dann mit einem?