Wieso  unsere innere Tür manchmal zu bleiben muss

In meinen letzten Ferien war ich in einer sehr kleinen Stadt in einer sehr einsamen Gegend. In dieser kleinen Stadt leben kaum noch Menschen, wenn überhaupt, dann sind es noch die Älteren, die nicht mehr wegwollen oder können und ein paar vereinzelte Familien. Als ich einem sonnigen Nachmittag durch dieses Städtchen ging, begegnete mir ein einziger älterer Herr und ansonsten sah ich sehr viele verschlossene Türen.

Anfangs verstörte und frustrierte mich das ein wenig. Es wirkte abweisend und kalt. Dieses offen zur Schau gestellte Desinteresse an dem Leben, das vor der Tür – wenn auch nur in geringem Maß – stattfand, irritierte mich. Dann begann ich, die Türen zu fotografieren. Es handelte sich oft um sehr schöne alte Türen, und je mehr ich von ihnen abfotografierte, umso weniger hatte ich das Gefühl sie würden mich aussperren. Stattdessen strahlten sie auf einmal Klarheit und Gradlinigkeit auf mich aus, und ich dachte: „So unaufgeregt und gerade sollte ich auch öfter durchs Leben gehen.“

Viel zu oft werden mir nämlich, im übertragenen Sinne, meine Türen eingerannt. Dann bekomme ich schnell den Eindruck, dass nicht nur sehr viele Menschen etwas von mir wollen, meine Familie, meine Freunde, meine Arbeitgeber, sondern auch, dass sie sich auch an meiner selbst bedienen, oft ohne zu fragen. Ständig scheine ich für verfügbar zu sein, ob mir das gerade recht ist oder nicht. Ich kann ihnen das nicht übelnehmen, schließlich erwecke ich ja ganz eigenverantwortlich den Eindruck, ich sei ein offenes Haus. Selbst, wenn ich mich nicht danach fühle. Was hilft? Die Tür schließen. Was natürlich – wie fast alles – leichter klingt, als es ist. Also Nein sagen, innerlich wie äußerlich. Nicht unterstützend wirken, auch wenn Unterstzützung eingefordert wird, nicht auf jede Befindlichkeit von außen eingehen. Mal zu Dingen keine Meinung haben. Sich selbst vor anderen einfach mal nicht erklären.

Ja, das wirkt wie die Türen in der kleinen Stadt zunächst abweisend. Das irritiert. Führt vielleicht auch zu dem einen oder anderen Konflikt. Paradoxerweise macht das Türenschließen uns am Ende aber zu einer offenen Person, einer Person, die wenn sie da ist, voll da ist und sich nicht überrennen lässt von Gefühlen, Gedanken und Anforderungen. Und diese Klarheit nützt nachher einem selbst und dem Umfeld am meisten.