Von Fomo zu Jomo

Seit einiger Zeit geht ein Gespenst um: Fomo, die Abkürzung für fear of missing out. Also die Angst, etwas zu verpassen. Diese Angst ist verständlich, denn natürlich gibt es ständig und in jedem Moment etwas zu verpassen. Die Frage aber, die man sich dabei stellen sollte, ist, ob das man da eventuell gerade verpasst tatsächlich so viel besser, wichtiger, bedeutsamer ist, als das, was man gerade erlebt. Und ganz besonders dann sollte man sich diese Frage stellen, wenn augenscheinlich gerade gar nichts erlebt. Im Zweifel ist nämlich genau das viel mehr und erfüllender als alles andere.

Ich jedenfalls habe beschlossen mich von FOMO zu trennen. Denn am Ende zählt ja nicht, was andere, was soziale Medien, meine Freunde und Bekannten gerade für unabdingbar zu erleben halten, sondern, dass was mich erfüllt. Und das kann ein wunderbar langweiliger Sonntag sein, an dem einfach mal gar nichts passiert. An dem ich nicht zum Kaffee eingeladen bin, an dem ich nicht ins Kino oder ins Museum gehe, an dem ich keinen Sport mache. Stattdessen verwandle ich FOMO in JOMO – joy of missing out. Das ist schon nach kurzer Zeit viel leichter als gedacht und – das ist das Wichtigste – wesentlich befriedigender. Weil es mit Selbstbestimmung zu tun hat. Ich weiß jetzt: Ich bin was ich bin. Und nicht das, was andere wollen, was ich tun soll. Einen schönen ersten Advent!

PS:  Mehr zum Thema gibt es auch in meiner Kolumne in der aktuellen FLOW 😉

 

 

Auf der Suche nach der Stille

Auf einer Reise zum Südpol. Auf einer Tour durch die Kanalisation New Yorks. Unter dem Sternenhimmel. Am Schreibtisch. Der norwegische Abenteurer, Kunstsammler, Verleger und Anwalt Erling Kagge macht sich auf den Weg, um vollkommene Stille zu finden. Und er geht Fragen zur Stille nach: Wie und wo entsteht sie? Wieso empfinden wir sie so unterschiedlich? Warum halten wir Stille manchmal so schwer aus? Und vor allem, was bedeutet das Empfinden von Stille für uns – und was passiert mit uns, unserem Denken und Fühlen bei ihrer Abwesenheit? Erling Kagge geht all diesen Fragen in kurzen essayistischen Texten nach und jedes Kapitel lässt einen mal nachdenklich, mal sehnsüchtig, aber immer sehr erfüllt zurück. Am Ende – Erling Kagge – findet man die größte und zufriedenstellendste Stille in sich selbst. Aber das ist ein Schatz, der nur schwer zu heben ist. Unbedingt lesen.

Erling Kagge: Stille- ein Wegweiser (Insel)

Wieviel Achtsamkeit steckt in Hygge?

Alle reden über Hygge, machen es sich hyggelig oder fühlen sich hyggelig (siehe auch den Blogeintrag zu „Hygge“). Es gibt Hotels, Klamotten, Lebensmittel, die als hyggelig beworben werden. Aber kann man sich das Gefühl von „Hygge“ tatsächlich einfach so kaufen? Oder entsteht es nicht vielmehr aus einem anderen Blick auf den eigenen Alltag, auf die kleinen Dinge und Momente, die unser Leben eben zu unserem Leben machen?

Ich habe mich etwa heute morgen ziemlich hyggelig gefühlt. Nach Tagen voller Regen und grauen Wolken, kam die Sonne heraus und plötzlich leuchtete meine Straße wieder. Ich stieg auf mein Fahrrad, sah in die Baumkronen mit ihren gelben, braunen und roten Blättern und war – glücklich. Und dankbar. Für diesen ganz einfachen kleinen Moment. Hygge hat daher meiner Meinung ganz viel mit Achtsamkeit zu tun. Es geht um das Sich-Bewusstmachen- und des-Sich-Bewusstwerdens des Augenblicks. Den zu sehen und für sich zu erleben, darauf kommt es an und mit ihm stellt sich dann glücklicherweise häufig auch ein Gefühl der Dankbarheit ein und wir fühlen uns mit uns selbst, der Natur, aber auch anderen verbunden. Eben hyggelig.

Und vielleicht hilft es ja gerade denjenigen, die mit Achtsamkeit bisher nicht so viel anfangen konnten, dass Hygge jetzt so ein großer Trend ist: das Kind trägt einen anderen Namen, ist nicht so mit Bedeutung aufgeladen und kann so helfen, dass immer mehr Menschen sich bewusster dem Leben zuwenden. Schöner wird es so damit auf jeden Fall.

 

 

Hab’ keine Angst vor dem Monster

Es sind Sätze wie: „Ich bin nicht gut (kreativ, intelligent…) genug für diese Aufgabe“; „Man traut mir das sowieso nicht zu“ oder „Jemand wird merken, dass ich nichr genügend Kraft dafür habe“, „Ich bin eine schlechte Mutter“: Monstersätze. Individuelle, ganz persönliche Stolperfallen, die uns ständig begleiten und kleinhalten. Erlernte Verhaltensmuster oder Gebote, die uns schon lang und in den meisten Fällen völlig grundlos begleiten. Psychologen nennen sie auch ANTS – automatic negative thoughts. Das Dumme an ihnen ist: Meistens überfallen sie einen in den unpassendsten Momenten und dann überrollen sie uns mit einer solchen Macht, dass sie mit einem Mal alles zunichte machen, was vorher war. Etwa, wenn man sich eigentlich ziemlich gerade ziemlich gut mit sich selbst fühlte und einen plötzlich der Blick eines Fremden streift, den man nicht einordnen kann. Vielleicht denkt man dann: „Der findet mich zu dick. Oder meine Frisur blöd.“ Und die gute Laune ist dahin.

ANTS haben nämlich ein großes Talent sich unsere Gedanken und Gefühle fast komplett einzuverleiben. Aber genau das ist auch ihre Schwachstelle. Der beste Weg ihnen zu begegnen ist daher: sie wahrzunehmen, ihnen aber nicht den Boden zu bereiten. Sprich zu merken: Alles klar, hier kommt er wieder, mein typischer Negativ-Satz, aber warum eigentlich? Weiß ich überhaupt, was dieser Fremde dort drüben wirklich über mich denkt? Warum sitzt gerade in dieser Situation mein kleines Monster mir auf der Schulter? Allein die Situation kurz zu analysieren hilft, Abstand zu seinen negativen Gedanken zu gewinnen und sie nicht alles bewerten zu lassen. Ich selbst helfe mir dabei häufig mit einem kleinen Mantra aus: „Ich bin nicht meine Gedanken“, das bringt mich automatisch aus der Szene heraus und ich kann wieder klarer denken. Probier‘ es doch mal aus.