Von Fomo zu Jomo

Seit einiger Zeit geht ein Gespenst um: Fomo, die Abkürzung für fear of missing out. Also die Angst, etwas zu verpassen. Diese Angst ist verständlich, denn natürlich gibt es ständig und in jedem Moment etwas zu verpassen. Die Frage aber, die man sich dabei stellen sollte, ist, ob das man da eventuell gerade verpasst tatsächlich so viel besser, wichtiger, bedeutsamer ist, als das, was man gerade erlebt. Und ganz besonders dann sollte man sich diese Frage stellen, wenn augenscheinlich gerade gar nichts erlebt. Im Zweifel ist nämlich genau das viel mehr und erfüllender als alles andere.

Ich jedenfalls habe beschlossen mich von FOMO zu trennen. Denn am Ende zählt ja nicht, was andere, was soziale Medien, meine Freunde und Bekannten gerade für unabdingbar zu erleben halten, sondern, dass was mich erfüllt. Und das kann ein wunderbar langweiliger Sonntag sein, an dem einfach mal gar nichts passiert. An dem ich nicht zum Kaffee eingeladen bin, an dem ich nicht ins Kino oder ins Museum gehe, an dem ich keinen Sport mache. Stattdessen verwandle ich FOMO in JOMO – joy of missing out. Das ist schon nach kurzer Zeit viel leichter als gedacht und – das ist das Wichtigste – wesentlich befriedigender. Weil es mit Selbstbestimmung zu tun hat. Ich weiß jetzt: Ich bin was ich bin. Und nicht das, was andere wollen, was ich tun soll. Einen schönen ersten Advent!

PS:  Mehr zum Thema gibt es auch in meiner Kolumne in der aktuellen FLOW 😉

 

 

Wieviel Disziplin verträgt
das Leben?

Es gibt einen Song einer Band, die Kinderlieder macht, in dem heißt es in einer Textzeile sinngemäß: „Ich muss immer nur müssen“. Ist doch irgendwie  ziemlich blöd, dass schon Kinder den Zustand des Hamsterrads bereits kennen, oder? Und wenn ich selbst abends erschöpft auf dem Sofa sitze, wenn es 21:47 Uhr ist und die letzte Aufgabe des Tages gerade erledigt und ich eigentlich zu nichts mehr in der Lage bin, außer ins Bett zu fallen, möchte ich einfach manches Mal aus meinem Leben verschwinden. Obwohl ich mein Leben wirklich sehr sehr gern mag. Aber was ich nicht mag, ist das es, damit alles darin einigermaßen funktioniert (Job, Kinder, Haushalt, soziale Kontakte) alles so derart durchgetaktet sein muss. Andererseits zeigt sich immer wieder: ganz ohne Disziplin geht es eben auch nicht. Würde ich nicht morgens um sechs Uhr zum Laufen aufbrechen, würde ich gar keinen Sport mehr treiben. Würde ich nicht die Kinder zum Üben ihrer Instrumente antreiben, würden sie immer noch kein einziges Lied spielen können. Würde ich nicht… Diese Disziplin macht keinen Spaß, aber sie erleichtert doch einiges. Ich frage mich nur, ob man sich so sehr an sie gewöhnen kann, dass ein Leben ohne sie irgendwann gar nicht mehr möglich ist. Und was machst das dann mit einem?